China und die Chinesische Kultur verstehen lernen

Die Volksrepublik China wurde offiziell am 1. Oktober 1949 von Mao Zedong, als Vorsitzender der Kommunistischen Partei gegründet. China ist in Asien das flächengrößte Land, das drittgrößte auf der Erde und mit einer Bevölkerungsanzahl von 1,314 Milliarden Menschen (Stand: Juli 2006) das bevölkerungsreichste Land der Erde. Das Land ist aufgeteilt in 22 Provinzen, 5 autonome Gebiete und 2 Sonderwirtschaftszonen (Hongkong und Macao). Die Hauptstadt ist Peking (Beijing).

Nach dem Tod Mao Zedongs im Jahre 1976 und der Machtübernahme Deng Xiaopings wurden im Jahre 1978 wirtschaftliche Reformen eingeleitet, die China aus der damaligen misslichen Lage helfen sollten. Mao Zedongs Versuche, China zur führenden Wirtschaftsmacht auf der Welt zu machen, sind mit dem „Großen Sprung nach Vorne“ (1958-1961) und mit der „Kulturrevolution“(1966-1976) kläglich gescheitert und ließen das Land und dessen Bevölkerung in einem Zustand der Armut und Orientierungslosigkeit zurück. Die von Deng Xiaoping eingeleiteten Reformen im Jahre 1978 trugen bald Früchte und China verzeichnete ein immer stärker werdendes Wirtschaftswachstum und zählt heute zu den Ländern mit den größten Wachstumsraten. Im Jahre 2005 betrug Chinas Wachstumsrate laut Wikipedia 9,9%. Durch die Öffnungspolitik zog bzw. zieht China immer mehr Investoren aus dem Ausland an, die an dem Aufstieg des Landes teilhaben wollen. Dies trifft besonders auf die Ostküste und die dortigen Metropolen wie Shanghai, Hongkong, Shenzhen oder Peking zu. Trotz der nun fortschreitenden Modernität kann sich China mit einer kulturellen Tradition schmücken, die Hu zufolge in der Zeit zwischen 2200 und 1700 vor Christus entstanden ist und somit 4000 Jahre alt ist. Diese kulturelle Entwicklung oder besser gesagt dieses kulturelle Erbe ist auch im Zeitalter des Wirtschaftswachstums und der Modernität präsent und allgegenwärtig und beeinflusst das Leben und Denken der Chinesen. Fokus dieses Kapitels ist es, die Kultur Chinas an folgenden Parametern zu beleuchten und aufzuschlüsseln:

 

•  Das chinesische Denken

•  Bedeutung der Religion in China

•  Struktur der chinesischen Gesellschaft

 

 

Das chinesische Denken

„What a man believes is only his ears and his eyes. Everything else is to be doubted.“

Diese Aussage von Yen Chih-tui gibt sehr gut das Grundelement des chinesischen Denkens wieder. Das bedeutet, es basiert auf greifbaren und sichtbaren Dingen. Nakamura zufolge ist die Betonung dieses Sichtbaren, oder wie er es nennt Konkreten im Denken der Chinesen schon an der Schrift und der Sprache zu erkennen. Er argumentiert: „ Nearly all words express particular ideas – forms of existing things perceived in a particular state.“ Granet kommt zu einer vergleichbaren Auffassung und stellt ausdrücklich dar: „Manche [Schriftzeichen] stellen einen Gegenstand (Baum) dar, andere scheinen auf eine Vorstellung hinzuweisen (heraustreten)…Besteht ein zusammengesetztes Zeichen ausschließlich aus sinngebenden Bestandteilen (Bildern oder Symbolen), wie z.B. Kleid + Messer = Beginn, so spricht man von einem Ideogramm (Sinnzeichen).“ Das bedeutet auch abstrakte Dinge werden durch die Schrift auf graphische Weise konkretisiert. Zum besseren Verständnis soll dies an folgendem Schaubild nochmals verdeutlicht werden:

Aufgrund der Neigung zum Konkreten und Tatsächlichen existiert im chinesischen Denken nichts bzw. sehr wenig Metaphysisches. Das bedeutet, Chinesen denken sehr weltlich und materialistisch. Auch religiöse Glaubensformen sind eher weltlich und weniger übernatürlich wie sonst üblich. Dieses weltliche und diesseitige Denken ist ursprünglich auf die landwirtschaftliche Produktionsweise zurückzuführen. Die Bauern der Antike mussten sich ständig gegen die Natur behaupten, um das Überleben zu sichern. Dies führte sowohl zu rationalen also auch zu gemeinschaftlichen, anstatt zu übernatürlichen Denkweisen. Aus diesem Grunde verehren die Chinesen anstelle von übernatürlichen Göttern ihre Ahnen und die Natur, insbesondere den Himmel. Nakamura stellt hierzu fest: „Since ancient times, the idea of Heaven (T'ien) was conceived by the Chinese in close relation with man.“ Die Analogie zwischen Mensch und Himmel wird Nakmura zufolge auch in dem Schriftzeichen für Himmel sichtbar. Er kommt zu folgender Behauptung: „The ideogram T'ien is derived from the letter Ta by adding a line on the top. Ta is a hieroglyphic which originally meant man. Therefore one may imagine that this ideogram T'ien indicates the sky which is above man.“ Nicht zuletzt deswegen betrachteten die Chinesen des Altertums ihren Kaiser auch als „Sohn des Himmels“. Zur Verdeutlichung soll an dieser Stelle das Schriftzeichen für Himmel angeführt werden sowie die graphische Analogie zum Menschen:

Aus dieser Vorstellung der Analogie zwischen Himmel und Mensch und aufgrund von Naturphänomenen wie den alternierenden Jahreszeiten welche vom Himmel bestimmt wurden, entwickelte sich dann auch das Yin und Yang-Denken. Gan zufolge stellen Yin und Yang „die ursprünglichsten Elemente des Universums“ dar. „Yang und Yin als die ursprünglichsten Elemente des Universums stehen zueinander im Gegensatz. Sie überwinden sich gegenseitig. Zugleich sind sie aber auch voneinander abhängig“ , so Gan weiter. Yang stellt hierbei das Warme, Feste, Männliche, Positive, den Himmel dar, während Yin das Kalte, Weiche, Weibliche, Negative, die Erde darstellt. An diesem Denken lässt sich ganz klar die von Weggel beschriebene Ganzheitlichkeit erkennen, die vor allem im chinesischen Denken zu finden ist. Auch Linck kommt zu dieser Auffassung und stellt folgende These auf:

 

„Die polare Zusammengehörigkeit, die jeden Dualismus ausschließt, macht das yin und yang-Emblem zum Symbol für die Suche nach Ganzheit, dem das chinesische Denken trotz einiger Irrungen treu geblieben ist…“

 

Diese Suche nach Ganzheit ist unter anderem in den chinesischen Kampfkünsten wieder zu finden, in denen versucht wird eine Balance zwischen Körper und Geist zu finden. Das Yin-Yang-Denken wird auch in der Beziehung zwischen Mann und Frau ausgedrückt.

An dem Vorangegangenen kann man deutlich erkennen, dass das chinesische Denken sehr philosophisch geprägt ist. Charles A. Moore meint hierzu:

 

„For the Chinese, philosophy takes the place of religion – certainly for the educated and intellectual Chinese. Philosophy is more important to the Chinese than to almost any other people in the world.“

 

Das chinesische Denken ist somit sehr stark von Philosophie anstatt von Religion geprägt. Die wichtigsten philosophischen Schulen Chinas sind der Konfuzianismus und der Taoismus. „ It has been said that there is Taoism as well as Confucianism in every Chinese.“

Im Folgenden sollen diese wichtigen philosophischen Schulen vorgestellt werden, da sie das Denken der Chinesen sehr geprägt haben.

 

Tipp: chinesisch lernen mit dem Vokabeltrainer Han Trainer Pro.

 

Der Konfuzianismus

Wie bereits erwähnt, wird der Konfuzianismus in der Fachliteratur fälschlicherweise oft als Religion bezeichnet. Eine sehr viel treffendere Definition findet Kim und bezeichnet ihn als „diesweltlichen Humanismus“ Er argumentiert weiter: „Confucian thought consisted mostly of practical wisdom rather than metaphysical speculation.“ Konfuzianismus kann daher ganz klar als Philosophie denn als Religion bezeichnet werden und wird im Zuge dieser Arbeit auch als Philosophie geführt. Die Gleichsetzung des Konfuzianismus mit einer Religion rührt höchstwahrscheinlich von dem Personenkult um Konfuzius her. Konfuzius ist aber keine Gestalt im übernatürlichen Bereich, sondern hat verschiedenen Überlieferungen zufolge tatsächlich gelebt. Das chinesische Volk hat eine Tradition zur Verehrung ihrer Helden und Konfuzius bildet da keine Ausnahme. Wenn man Konfuzianismus als Religion definiert, müsste man dies auch mit dem Maoismus tun, das heißt mit dem Personenkult um den Gründer der Volksrepublik. Die so genannten Experten (beispielsweise Max Weber, Donald MacInnis oder Oskar Weggel) definieren Maoismus aber nicht als Religion, sondern als Philosophie und Weisheiten des Mao Zedong.

Die Philosophie des Konfuzianismus geht zurück auf den chinesischen Gelehrten Konfuzius (chin.: Kongzi), der verschiedenen Quellen zufolge von 551 v. Chr. Bis 449 v. Chr. gelebt hat. Ziel des Konfuzius war es, Ordnung in der Gesellschaft herzustellen, die im damaligen China zur Zeit der streitenden Reiche nicht vorhanden war. Diese Ansicht teilt auch Gan.

Um diese Ordnung zu erreichen war Konfuzius der Ansicht jeder Mensch müsste ein so genannter „Gentleman“ (chin.: chun tzu) werden bzw. sein. Konfuzius selbst definierte chun tzu folgendermaßen:

 

„…Das Wesen des Gentlemans ist die Gerechtigkeit (I). Er folgt den Regeln des Anstandes und der Schicklichkeit (Li). Er ist bescheiden in seinen Worten. Er ist aufrichtig in seinem Verhalten. Fürwahr, so ist ein Gentleman.“

 

Konfuzius war weiterhin der Ansicht, dass der Mensch gewisse Tugenden besitzen muss, um ein Gentleman zu werden. Die wichtigsten Tugenden und die Basis des Konfuzianismus stellen die Tugenden Menschlichkeit (chin.: jen), Gerechtigkeit (chin.: i) und Schicklichkeit (chin.: li) dar.

Unter diesen Tugenden stellt Jen (Menschlichkeit) die wichtigste dar. „Der Begriff Jen ist der Kernpunkt der Lehre des Konfuzius.“ , so Lin. Auch Kim kommt zu diesem Ergebnis: „ The most essential characteristics of chun-tzu is jen…“

Ein anderes wichtiges Element im Konfuzianismus stellt die Familie dar. Gan unterstreicht dies wie folgt: „Der Zustand der Familie als Mikrogesellschaft kann direkt den Zustand der ganzen Gesellschaft widerspiegeln und auch beeinflussen. Wenn jede Familie stabil ist, ist auch der ganze Staat stabil und geschlossen. Sind dagegen alle Familien zerrüttet, kann auch im ganzen Staat keine Ordnung aufrechterhalten werden.“

Aufgrund dessen ist die Kardinaltugend jen schon in der Familie zu erlernen. Als höchstes Maß gilt hier xiao (Pietät), die Ehrfurcht der Kinder vor den Eltern. Aus dieser Beziehung leiten sich vier weitere ab:

 

•  Achtung gegenüber den älteren Brüdern

•  Zuverlässigkeit unter den Freunden

•  Loyalität gegenüber dem Monarch

•  Gegenseitige Verehrung zwischen Mann und Frau

 

Die Essenz hieraus ist, dass man die Ehrfurcht und den Respekt gegenüber den Eltern und den älteren Brüdern innerhalb der Familie auch auf die zwischenmenschlichen Beziehungen außerhalb der Familie überträgt. Konfuzius hierzu:

 

„Ein junger Mensch soll in der Familie ehrfürchtig und gehorsam gegenüber seinen Eltern sein. Außer Haus begegne er den Menschen so, wie sich ein jüngerer Bruder gegenüber seinem älteren Bruder verhält, mit Achtung und Zuverlässigkeit; er sei durchdrungen von Liebe zu allen und eng mit der Humanität verbunden.“

 

Es lässt sich feststellen, dass die Philosophie des Konfuzius, wie von Kim erwähnt humanistischer Natur ist. Es ist eine humanistische Philosophie, die auf moralischen und ethischen Grundsätzen basiert. Ziel des Konfuzianismus ist es, zwischenmenschliche Probleme zu lösen und aufzuheben und somit die Struktur einer Gesellschaft zu verbessern. „Confucius was primarily concerned about practical human problems.“ Weiterhin kann bestätigt werden, dass es sich um keine metaphysische Lehre handelt und sich gänzlich in der diesseitigen Welt befindet. Natürlich sind die Gedanken und Tugenden des Konfuzius Idealvorstellungen. Die Chinesen richten sich mit Sicherheit nicht alle und gänzlich nach diesen Tugenden. In China gibt es wie in anderen Ländern auch Korruption, Ungerechtigkeit und Unmenschlichkeit. Beispiele hierfür wären die Zwangsumsiedlungen von Menschen gegen deren Willen oder um ein ganz bekanntes Beispiel für unmenschliches Handeln zu nennen das Tian An Men Massaker. Doch man kann durchaus auch sehen, dass konfuzianische Tugenden im chinesischen Denken wieder zu finden sind. Es handelt sich hierbei vor allem um die Bedeutung der Familie und der Respekt gegenüber Älteren, das bedeutet das Hierarchiebewusstsein. Die wichtige Bedeutung der Familie auch im weiteren Sinne, die im Konfuzianismus zur Geltung kommt, lässt sich auch daran erkennen, dass das chinesische Schriftzeichen bzw. die chinesische Bezeichnung für Staat oder Land „Guojia“ heisst. Guo steht für Land, Jia steht für Familie. Der Staat bzw. das Land wird als große Familie angesehen. (Siehe hierzu Punkt 4.3) Dies bedeutet, der Konfuzianismus hat das Denken der Chinesen nicht unerheblich beeinflusst und geprägt. Im nächsten Zug soll nun die andere große philosophische Schule Chinas, der Taoismus beschrieben werden.

 

Tipp: Nutzen Sie beim Chinesisch Lernen Software für die optimale HSK Vorbereitung.

 

Der Taoismus

 

Der Taoismus wird oft mehr noch als der Konfuzianismus als chinesische Religion geführt, hauptsächlich aufgrund seines mystischen Charakters. Es existiert auch die Unterteilung und Unterscheidung in bzw. zwischen einem religiösen und einem philosophischen Taoismus. So zum Beispiel Reiter: „Der Begriff „Taoismus“ vereint zwei unterschiedliche, aber dennoch zusammengehörige Traditionen: eine philosophische Schulrichtung – als deren Hauptvertreter Lao-tzu und Chuang-tzu gelten – und den religiösen Taoismus.“ Robinet findet für diese Unterteilung folgende Erklärung: „Der Glaube an das Bestehen zweier verschiedener Strömungen erscheint uns als eine Position, die von einer im Westen vorherrschenden Unkenntnis jener Techniken herrührt, die zur mystischen Erfahrung führen, weshalb der westliche Mensch nur schwer die Beziehung zwischen dem, was ihm als nüchterne Methoden erscheint, und dem letzten Ziel dieser Methoden versteht, eine Beziehung, um dies zu wiederholen, die gewisse Adepten gelegentlich selbst vergessen, die aber von zahlreichen taoistischen Meistern in Erinnerung gerufen wird.“

Blofeld tendiert in die gleiche Richtung und bezeichnet den Taoismus als eine Philosophie, der man religiösen Charakter zuschreiben kann. Er unterstreicht dies wie folgt: „Auf den spirituell anspruchsvollen Stufen besitzt der Taoismus in dem Sinne Religionscharakter, als er erhabene mystische Ziele umfasst – nicht aber in dem Sinne, daß ein Gott oder Götter anerkannt würden. Taoismus – das bedeutet gleichermaßen Philosophie und Lebenshaltung, also einen Weg der Selbstkultivierung.“ Blofeld ist weiterhin der Ansicht, dass der religiöse Charakter des Taoismus auch durch den Wettstreit mit dem Buddhismus zustande kam. „Als die buddhistischen Klöster größer und prächtiger wurden, gerieten die taoistischen Mönche mit ihnen in einen Wettstreit um die Einnahmen aus Pilgerbesuchen. Zu diesem Zweck errichteten sie an einigen Orten große Tempelanlagen.“ , argumentiert Blofeld.

Aufgrund der Tatsache, dass sich eine Religion primär durch die Anbetung eines übernatürlichen, göttlichen Wesens auszeichnet und sich somit von einer Philosophie, definiert als Liebe zur Weisheit, unterscheidet, muss man den Taoismus als philosophische Lehre führen, so wie es auch in dieser Untersuchung getan wird. Während der Konfuzianismus eine humanistische Philosophie ist, kann der Taoismus als mystische Philosophie geführt werden. Diese Untersuchung schließt sich somit der Definition Wangs an:

 

„Taoism, the philosophy of the Taoist school, is a mystical philosophy of the Chinese.“

 

Die Ursprünge dieser mystischen Philosophie gehen Blofeld zufolge auf Huang Ti, den Gelben Kaiser aus dem so genannten goldenen Zeitalter Chinas (2852 -2255 v. Chr.) zurück. Es gibt hierüber allerdings keine schriftlichen Überlieferungen, da die chinesische Schrift in dieser Zeit noch nicht existierte. Aufgrund dessen gilt Lao Tse allgemein hin als Gründer des Taoismus. Dieser lebte Überlieferungen zufolge zur selben Zeit wie Konfuzius. Die Lehren und Weisheiten des Lao Tse wurden von ihm selbst niedergeschrieben und später als „Tao te ching“ (Buch vom Weg und seiner Kraft) veröffentlicht und bekannt. Schon im Namen dieser Philosophie eingebettet dreht sich im Taoismus alles um das Tao. Was ist das Tao? Rein wörtlich würde man Tao mit „Weg“ übersetzen, doch philosophisch betrachtet ist diese Übersetzung unzureichend und es steckt weit aus mehr dahinter. Lao Tse beschreibt das Tao folgendermaßen:

 

„Es gibt ein Ding, das ist unterschiedslos vollendet, schon vor Himmel und Erde bestehend, so still, so gestaltlos. Allein steht es und ändert sich nicht. Im Kreis läuft es und hält nicht. Man kann es die Mutter der Welt nennen. Ich weiß seinen Namen nicht, aber ich benenne es Tao.“

 

Gan beschreibt das Tao auf folgende Weise:

„Tao ist nach dem Taoismus die Substanz, die alles im Kosmos hervorbringt. Nachdem das Tao alle Dinge auf der Welt erzeugt hat, existiert es innerhalb dieser Dinge und ernährt sie. Dieses den konkreten Dingen innewohnende Tao, das zugleich die vom Tao herstammenden speziellen Regeln oder speziellen Eigenschaften der Dinge darstellt, heißt Te. Te ist also die Existenz- oder Manifestationsform des Tao in den konkreten Dingen.“

 

Eine sehr gelungene Beschreibung des Tao findet Blofeld:

„Das tao ist unergründlich, weit und ewig. Als undifferenzierte Leere, als reiner Geist, ist es die Mutter des Kosmos; als Nicht-Leere ist es das Umfassende, das Erhaltende und –indem es, in gewissem Sinne, das Sein der zehntausend Dinge beinhaltet – das alles Durchdringende. Als Daseinsziel ist es der Weg des Himmels, der Erde und des Menschen. Von keinem Sein ist es Ursprung allen Seins. Sich keiner Aktivität bewußt, ohne Zweck und Absicht, weder Lohn noch Lob erstrebend, erfüllt es doch alle Dinge mit Vollkommenheit. Gleich dem Wasser schafft es sich seinen Weg mit Weichheit. Es ist eher schattenhaft, wie eine tiefe Schlucht, denn glänzend. Die Dinge dem tao zu überlassen, ohne sich in seinen natürlichen Ablauf zu mischen – das ist bestes Handeln…

Blofeld beschreibt sehr gut das Wesen und den Grundgedanken des Taoismus, speziell in den letzten Zeilen des Zitats. Es handelt sich hierbei um das Prinzip des Nicht-Handelns – wuwei. Das bedeutet, der Mensch soll den natürlichen Dingen ihren Lauf lassen und nicht zwanghaft, sondern spontan und natürlich zu handeln. Auf diese Weise können Konflikte und damit verbundenes Leid vermieden werden und somit ein effizientes Zusammenleben innerhalb einer Gesellschaft erreicht werden. Die Natur ist im Taoismus sozusagen das Vorbild für den Menschen und sein Handeln. Hierzu Blofeld: „ Mühelos mit der Natur gehen, heißt wie ein Fisch mit der Strömung schwimmen oder wie ein Meisterhandwerker das Messer entlang den Strukturen führen. Akzeptiert man die Natur als Führerin, als Freundin, so wird das Leben mühelos, ruhig und gelassen, aber voller Freude. Die Sorge verschwindet, heitere Ruhe tritt an ihre Stelle.“ Allerdings muss hierbei noch festgehalten werden, dass wuwei nicht bedeutet, den ganzen Tag nichts zu tun. Es bedeutet lediglich spontan mit der momentanen Notwendigkeit ohne Berechnung zu agieren. Das wuwei ist das höchste Prinzip und der Kern des Taoismus. Man kann an der aufgeführten Beschreibung erkennen, dass der Taoismus wahrlich keine Religion ist, sondern eine Philosophie, die sich an dem Gang der Natur orientiert. Der mystische Charakter wird durch das Tao und dessen Beschreibung bzw. Erklärung erzeugt. Wie der Konfuzianismus auch hat der Taoismus dem chinesischen Denken seinen Stempel aufgedrückt. Anzumerken wären hier vor allem die Passivität, Bescheidenheit und Zurückhaltung die im Denken der Chinesen und in deren Kultur verankert sind und ursprünglich vom Taoismus herrühren. Im Gegensatz zum Konfuzianismus, bei dem die Familie eine wichtige Rolle spielt, steht im Taoismus das Individuum stärker im Vordergrund.

Abschließend lässt sich über das Denken der Chinesen sagen, dass es sehr stark philosophisch geprägt ist. Die Yin-Yang Philosophie, der Konfuzianismus und der Taoismus haben das Denken wechselseitig beeinflusst und sind auch im modernen China präsent. ( Der Buddhismus muss an dieser Stelle auch genannt werden, da er auch großen Einfluss auf das chinesische Denken hatte. Der Buddhismus jedoch wurde bereits in unter Punkt 3.3.2 behandelt.) Im Yin-Yang Denken findet man die von Weggel angesprochene und hervorgehobene Ganzheitlichkeit wieder. Der Konfuzianismus ist mit verantwortlich für das Hierarchiebewusstsein und die Bedeutung der Familie, während der Taoismus das chinesische Denken in Bezug auf Passivität und Bescheidenheit/Zurückhaltung geprägt hat. An diesen Philosophien lässt sich auch die Diesseitigkeit und der nicht-übernatürliche Charakter des sinischen Denkens wieder erkennen, die von Nakamura und Granet betont wurden und die sich wie beschrieben aus der landwirtschaftlichen Produktionsweise und dem damit verbunden Kampf mit der Natur entwickelt haben.

Das Leben und Denken im konkreten Hier und Jetzt kann man ebenfalls daran wieder erkennen, dass das antike China in vielen Bereichen seinen Nachbarn überlegen war. Beispiele hierfür wären unter anderem die Erfindung des Schießpulvers, chinesische Stoffe und Porzellan, sowie die Schifffahrt. Hinzu kommen Errungenschaften im Bereich der Medizin, Heilung und Architektur. Seitz bestätigt dies: „China war über den größeren letzten Teil der letzten zweitausend Jahre nicht nur das menschenreichste Land und die größte Volkswirtschaft der Erde, sondern die – technologisch wie organisatorisch – fortgeschrittenste Zivilisation.“

Nun stellt sich die Frage warum die Volksrepublik China trotz des konkreten und pragmatischen Denkens im Zeitalter der Moderne hinter Europa, Amerika und Japan zurückblieb und als Entwicklungsland eingestuft wird bzw. wurde. Zunächst muss erwähnt werden, dass China gegen Ende des 18. Jahrhunderts militärisch von Großbritannien in die Knie gezwungen wurde. (Opiumkriege). Als Folge dessen erlitt China auch wirtschaftlichen Schaden und das Kaiserreich zerbrach vollends als 1911 die Qing-Dynastie zu Ende ging. Nach dem zweiten Weltkrieg entwickelten sich in Europa und Amerika gefestigte wirtschaftliche Strukturen geleitet durch demokratische Politik, während China unter kommunistischer Führung dem marxistisch-leninistischen System folgte. Mao Zedong führte das Land wie bereits erwähnt durch politische Fehlentscheidungen wie den „Großen Sprung“ und die „Kulturrevolution“ immer mehr in den wirtschaftlichen Ruin. Erst nach Mao Zedongs Tod und neuen politischen Ansätzen ist China auf dem Weg der Besserung. Der Grund für die missliche Lage in der sich die Volksrepublik befand / befindet, ist größtenteils falscher politischer Führung zu zuschreiben.

 

Tipp: Nutzen Sie beim Chinesisch Lernen Mac, Windows oder Linux für das Lernen mit Chinesisch Lernsoftware.

4.2 Die Bedeutung der Religion in China

Nachdem in Punkt 4.1 ausführlich dargelegt wurde, dass das chinesische Denken größtenteils konkreter und diesseitiger Natur ist soll im Folgenden untersucht werden, welche Bedeutung vor diesem Hintergrund die Religion in China hat. Zunächst einmal gilt es festzuhalten, dass China in seiner lang währenden Kultur nie eine eigene Religion hervorgebracht hat, auch wenn viele Experten den Konfuzianismus und den Taoismus als chinesische Religionen führen. Wie bereits mehrfach erwähnt, definiert diese Untersuchung diese beiden Lehren nicht als Religion sondern als philosophische Schulen. Was auch schon erwähnt wurde ist, dass für die meisten Chinesen die Philosophie die Stelle der Religion einnimmt. Blofeld ist sogar der Ansicht, dass in der chinesischen Sprache bis zum vorletzten Jahrhundert nicht einmal ein Wort für Religion existierte. Anstatt übernatürliche Götter zu verehren, huldigten die Chinesen lieber ihren Ahnen und entwickelten daraus eine Art Ahnenkult, den man als chinesische Religion bezeichnen kann. Hu hierzu: „The ancestral cult was the oldest and most pervasive of Chinese religions. […] The basis of ancestor worship was the assumption that the living can communicate directly with the dead and that the dead, though living in another realm can influence and be influenced by events in this world.“ Aufgrund dessen wurden der Vorfahren wegen immer wieder zu bestimmten Anlässen wie Neujahr Zeremonien abgehalten, bei der Kerzen angezündet wurden, und Räucherstäbchen abgebrannt wurden oder Ähnliches Im Laufe der Zeit entwickelte sich aus dem Ahnenkult eine Volksreligion, die man allgemein hin als Aberglaube bezeichnen kann. Dieser Aberglaube zeichnet sich dadurch aus, dass die Menschen an eine andere Welt glauben die mit der realen Welt in Verbindung steht. Diese andere Welt ist die Heimat von Göttern, Geistern, Dämonen, Drachen und Kobolde sowie der Seelen verstorbener Vorfahren und chinesischer Helden, die das reale Leben beeinflussen (können). Spuren dieses Aberglaubens lassen sich auch heute noch erkennen. Ein Beispiel wäre Feng-shui. Beim Feng-shui geht es darum, „physikalische Gegebenheiten um uns herum so zu handhaben, dass man seinem Schicksal in eine positive Richtung nachhelfen kann.“ Feng-shui wird deshalb oft in der Architektur und Innenarchitektur angewandt.

An den vorangegangenen Ausführungen ist zu erkennen, dass sich in China keine eigenständige Religion entwickelt hat, nur Aberglaube jedoch keine Religion im eigentlichen Sinne. Somit wäre es nachvollziehbar, dass es lange Zeit kein Wort für Religion gegeben hat, wie Blofeld argumentiert. Man muss an dieser Stelle jedoch anmerken, dass das Wort für Religion im Chinesischen schon lange existiert, allerdings nicht mit der Bedeutung wie sie dem Lateinischen entstammt. Das chinesische Wort zongjiao bedeutete ursprünglich Ahnen-Lehre und wurde später für die Bezeichnung des Wortes Religion im europäischen Sinne benutzt. Denn Religion im eigentlichen Sinne, das heißt, so wie sie in Kapitel 3..3 definiert wurde, ist von außen nach China gelangt. Aufgrund dessen sind in der Volksrepublik heute folgende Religionen vertreten:

 

•  Buddhismus

•  Islam

•  Katholizismus

•  Protestantismus

 

Das Judentum, der Hinduismus und die russisch-orthodoxe Kirche sind und waren in China so gut wie nicht vertreten und werden daher an dieser Stelle nicht behandelt.

Der Buddhismus ist im ersten Jahrhundert nach Christus von Indien über die Seidenstraße nach China gelangt. Er wurde im Laufe der Zeit immer mehr sinisiert und unterscheidet sich daher von dem Urbuddhismus Indiens. Das bedeutet, dass der chinesische Buddhismus sehr viel philosophischer und weniger abstrakt ist als der indische. Zusammen mit dem Konfuzianismus und Taoismus hat der Buddhismus das Denken der Chinesen, wie schon im vorherigen Punkt erwähnt stark geprägt, weshalb man auch von den „Drei großen Lehren“ spricht. Trotz einiger Rückschläge unter anderem der ständige Wettstreit mit dem Konfuzianismus und Taoismus und aufgrund neuer politischer Ideologien zu Beginn des letzten Jahrhunderts, hat sich der Buddhismus als größte Religion in China durchsetzen und halten können. Obwohl er im ganzen Land verbreitet ist, ist der Buddhismus vor allem in den Küstenregionen in Süd- und Südostchina zu finden. Es handelt sich hierbei speziell um die Provinzen Fujian, Yunnan und Guangdong. Nicht zu vergessen natürlich auch das buddhistische Tibet. Der Grund für diese starke Konzentration von Buddhisten in diesen Provinzen liegt in der Nähe zu buddhistischen bzw. religiösen Nachbarn. Bei Fujian, Yunnan und Guangdong ist es die Nähe zu Festlandsüdostasien (Laos, Kambodscha, Thailand) bei Tibet ist es die Nähe zu Nepal und Indien. China zählt heute insgesamt zwischen 300 und 350 Millionen Buddhisten.

Der Islam kam etwa im achten Jahrhundert nach Christus durch Kontakt mit arabischen Händlern nach China. Er konnte sich aber aufgrund seiner Unvereinbarkeit mit der chinesischen Kultur und dem chinesischen Denken nicht so verbreiten wie der Buddhismus.

In der Volksrepublik bekennen sich vor allem die ethnischen Minderheiten im Nordwesten (besonders in der Provinz Xinjiang), wie die Uiguren oder die Hui zum Islam. Man findet aber auch muslimische Gemeinden in Yunnan oder Sichuan. Die starke muslimische Konzentration im Nordwesten Chinas lässt sich mit der geographischen Nähe zu islamischen Ländern wie Pakistan, Turkmenistan oder Afghanistan erklären. Die Anzahl der Muslime in China beläuft sich circa auf 16 Millionen.

Das Christentum gelangte in seiner katholischen Variante erstmals im 16. Jahrhundert durch europäische Jesuitenmissionare nach China. Doch auch hier führte die Unvereinbarkeit mit der chinesischen Kultur dazu, dass sich der Katholizismus nicht sehr stark ausbreiten konnte. Hu erklärt dies folgendermaßen: „…internal discord among these missionary groups started the so-called Rites Controversy which found the Chinese emperor and the Pope in irreconcilable opposition. The papal decision in 1742 forbidding Chinese Christians to observe ancestor worship and to participate in other Confucian rites was denounced by the emperor who ordered all Chinese Christians to conduct such worship as befitted loyal Chinese.“ Dieser Bruch mit dem Vatikan verhinderte weitere Missionierungen und somit eine größere Ausbreitung des Katholizismus. Verschiedenen Quellen zufolge leben heute etwa 13 Millionen Katholiken in China. Katholiken sind demzufolge in China nur eine Minderheit. Selbiges kann vom Protestantismus gesagt werden. Dieser gelangte durch protestantische Missionare als Folge des verlorenen ersten Opiumkriegs (Vertrag von Nanjing) im Jahre 1842 nach China. Wie der Katholizismus war auch der Protestantismus nicht kulturkonform oder konnte der chinesischen Kultur nicht angepasst werden. Somit war auch ihm eine weite Verbreitung in China versagt. Im heutigen China leben um die 20 Millionen protestantische Christen, speziell in den Provinzen Henan, Zhejiang und Fujian.

Man kann erkennen, dass China keine eigene Religion hervorgebracht hat und noch viel wichtiger, dass von den Religionen, die vom Ausland eingeführt wurden nur der Buddhismus eine große und weite Akzeptanz erlangt hat. Die anderen Religionen (Islam und Christentum) konnten sich sowohl im antiken China als auch nach Gründung der Volksrepublik bei der breiten Bevölkerung nicht durchsetzen, und sind nur in Minderheiten vertreten.

Nun stellt sich die Frage, wie es zu dieser Entwicklung oder besser gesagt zu dieser Nicht-Entwicklung eines religiösen Bewusstseins in China gekommen ist. Für dieses Phänomen gibt es mehrere Gründe. Zum einen muss man festhalten, dass wie schon erwähnt, das Denken der Chinesen schon im antiken China stark von Philosophie und von Pragmatismus geprägt war. Die Weisheiten des Yin-Yang-Denkens, des Konfuzianismus und des Taoismus sind älter als die meisten großen Religionen der Welt. Augrund dieser Tatsache, haben sich die übernatürlichen Gedanken einer Religion in China nie richtig durchsetzen können, da sie dem Denken und der Kultur der meisten Chinesen widersprachen. Wie kam es nun aber dazu, dass der Buddhismus sich durchsetzen konnte? Wie in Kapitel 3.2.1 erwähnt hat die Religion in Indien einen engen Bezug zur Philosophie, so auch der Buddhismus, der von den Chinesen aufgrund dessen besser aufgenommen werden und der Kultur angepasst werden konnte. Der indische Buddhismus wurde sozusagen sinisiert.

Ein anderer Grund für das fehlende Religionsbewusstsein in China ist, dass das Land nie wirklich und vollständig von religiös geprägten Mächten kolonialisiert wurde, wie beispielsweise die Philippinen oder Indonesien. Somit konnte dem chinesischen Volk keine Religion zwanghaft auferlegt werden.

Der wichtigste Grund aber ist die Rolle des Staates und der Regierung in religiösen Fragen.

Dieser Ansicht ist auch Hu: „Throughout China 's history religious activity has to greater or lesser degree been subject to government control.“ Diese staatliche Kontrolle religiöser Aktivitäten ist auch heute noch vor allem im Zeichen des Kommunismus sehr präsent, und war besonders stark während der Ära Mao Zedong. In der Zeit vor der Kulturrevolution hat man lediglich den imperialistischen und feudalistischen Charakter der christlichen Religion respektive der buddhistischen und islamischen Religionen herausgefiltert und das Dasein dieser dann befreiten religiösen Institutionen wurde toleriert. Während der von Mao Zedong eingeleiteten Kulturrevolution (1966-1976) wurde keine Toleranz mehr geübt. Die Ausübung irgendeiner Religion wurde untersagt und viele Kirchen, Tempel und Moscheen und sonstigen Institutionen wurden geschlossen oder zerstört. Während die Einstellung zur Religion während der Kulturrevolution nicht als Norm betrachtet werden kann, kann man im Allgemeinen die Grundeinstellung der kommunistischen Parteiführung zur Religion sehen. Dies hängt zum einen mit dem Denken der Chinesen zusammen, sowie mit dem seit Gründung der Volksrepublik vorherrschenden politischen System des marxistisch-leninistischen Sozialismus aber vielmehr noch mit der Phobie, dass durch Religion, eine ausländische Macht China kontrollieren könnte. In einer Bekanntgebung über Religionsfreiheit im Jahre 1982 hieß es:

 

„…Der Staat schützt legale religiöse Aktivitäten; aber niemand darf die Religion dazu benutzen, konterrevolutionäre Aktivitäten durchzuführen oder solche, die die öffentliche Ordnung stören, die körperliche Gesundheit von Bürgern schädigen oder das Erziehungssystem des Staates beeinträchtigen…religiöse Angelegenheiten dürfen von keiner ausländischen Kraft beherrscht werden.“

 

Die Einstellung der Kommunisten auch nach der Ära Mao Zedong zur Religion zeigt sich auch in einem Leitartikel der „Tageszeitung für Tibet“, der im Jahre 1996 erschienen ist:

 

„…Kommunisten müssen eine klare Vorstellung vom schädlichen Einfluß der Religion haben und erkennen, daß Religion eine falsche Weltsicht ist und niemals […] das Volk zu Freiheit und Glück führen kann. Wir dürfen niemals […] unsere Anstrengungen, das Volk anzuleiten und zu erziehen, noch dürfen wir jemals der Religion unter dem Vorwand des sogenannten Glaubens der Massen freie Zügel schießen lassen.“

 

Zur Ausübung der Kontrolle über religiöse Aktivitäten wurden in der Volksrepublik noch unter Mao Zedong mehrere Institutionen gegründet, die seit ihrer Gründung in den fünfziger Jahren auch heute noch bestehen. Das wichtigste ist hierbei das Büro für religiöse Angelegenheiten (BRA), welches sämtliche Aktivitäten mit religiösem Bezug in China kontrolliert. Illegale Aktivitäten werden sofort geahndet.

Nachdem nun der Schock der Kulturrevolution Anfang der achtziger Jahre durch die Reformen Deng Xiaopings einigermaßen verflogen war, erstarkte im Zuge dessen auch das religiöse Bewusstsein unter den Gläubigen in der Bevölkerung wieder. Aufgrund dessen wurde von der Regierung offiziell „die Freiheit des religiösen Glaubens wieder eingeführt […] [sowie] Kirchen, Moscheen und Tempel wiedereröffnet.“

Offiziell heißt es nun:

 

„Die Bürger genießen Glaubensfreiheit. […] In unserem Land können Bürger an Religion glauben oder nicht daran glauben. Politisch betrachtet ist ihnen allerdings eins gemein: sie sind alle patriotisch gesinnt und unterstützen den Sozialismus…“

 

Die nun von Staatswegen her tolerierten und geschützten Religionen in China sind der Buddhismus, der Islam, der Protestantismus und der Katholizismus. Obwohl die kommunistische und somit atheistische Führung Chinas stark vom Marxismus geprägt ist, welcher als materialistische Ideologie unvereinbar ist mit religiösem Glauben (Marx selbst bezeichnete die Religion als Opium des Volkes), vertritt sie dennoch die Auffassung, dass man durch die Politik der Glaubensfreiheit „die Massen der Gläubigen und Nichtgläubigen so zu vereinen, daß sie ihren ganzen Willen und ihre ganze Kraft dahingehend einsetzen, einen modernen, machtvollen, sozialistischen Staat aufzubauen.“

Diese Glaubensfreiheit, die die Kommunistische Partei Chinas gewährt ist nichtsdestoweniger mit gewissen Einschränkungen verbunden, weshalb man sie eher als „kontrollierte“ oder „eingeschränkte“ Glaubensfreiheit bezeichnen kann. Zunächst werden sämtliche Aktivitäten mit religiösem Inhalt vom BRA kontrolliert und überwacht. Die ethnischen Minderheiten, besonders die islamischen in den Provinzen Xinjiang und Ningxia, werden aufgrund mehrerer Unruhen und Aufstände besonders überwacht und dadurch an einer großen Ausbreitung gehindert. Das bedeutet, sie werden bewusst an den Grenzgebieten des Landes gehalten. Es wurde im Jahre 1994 für diese Gebiete speziell ein Gesetz erlassen, das die Herstellung und Lagerung von Waffen und Munition, wie auch bewaffnete Versammlungen verbietet. In Anbetracht der aktuellen Entwicklungen im Islam ist die Haltung der chinesischen Regierung demgegenüber durchaus nachvollziehbar. Man stelle sich an dieser Stelle einmal vor, wie sich die weltreligiöse und damit auch die weltpolitische und weltwirtschaftliche Lage ändern würde, wenn China islamisch wäre. Es existieren weiterhin viele katholische Untergrundkirchen in Verbindung mit Rom, da offiziell der Bruch mit dem Vatikan besteht. Das bedeutet, dass Anhänger des Katholizismus ihren Glauben nicht gänzlich frei ausüben können.

Hu vertritt in Bezug auf Islam und Christentum die Ansicht, dass sich diese nur eines starken politischen Rückhalts auf dem Rest der Welt wegen in China, speziell im kommunistischen China, haben halten können. Doch man kann wohl sagen, dass diese Religionen trotz starken Rückhalts sich nicht sehr in China ausgebreitet haben und vermutlich auch nicht werden.

Was lässt sich nun über Religion in China sagen? Die Bedeutung der Religion ist seit jeher äußerst gering. Man kann sogar sagen, dass China ein atheistisches Land ist. Dies trifft sowohl auf die Antike, als auch auf die Gegenwart zu. Atheismus ist das, was die Kommunistische Partei heute propagiert. Der Gründe für diese atheistischen Züge sind kulturell, historisch und politisch bedingt. Das Denken der Chinesen hat dafür gesorgt, dass nie eine eigene Religion entstanden ist und dass die von außen eingeführten der chinesischen Kultur angepasst wurden (Buddhismus) oder bei Nichtkonformität mit chinesischer Kultur sowohl auf natürliche Weise als auch von Staatswegen her an einer weiteren Ausbreitung im Lande gehindert wurden (Islam, Christentum).

 

 

Die Struktur der chinesischen Gesellschaft

 

Ziel des folgenden Kapitels ist es, die Grundstruktur der chinesischen Gesellschaft darzustellen. Wie bereits in Kapitel 3.1 erwähnt, zählt Weggel China zu den universalen Gesellschaften. Er begründet dies mit der landwirtschaftlichen Produktionsweise (China war in der Antike wie die meisten anderen Länder auch vorwiegend eine Agrargesellschaft) und den damit verbundenen Naturproblemen, die die Bauern veranlasste zu kooperieren, um das Überleben zu sichern.

Juttka-Reisse ist derselben Auffassung und expliziert ihre These folgendermaßen:

 

„Der hydraulische Charakter der chinesischen Agrikultur hat die gemeinschaftliche Aneignung und Nutzung der gegenständlichen Lebensbedingungen zur Grundvoraussetzung des organisierten Ackerbaus gemacht. Er konnte die isolierende Tendenz der kleinbäuerlichen Produktionsweise auf Dauer kompensieren und das einheitlich operierende Gemeinwesen als die fundamentale agrikole Produktivkraft bewahren. Kooperation entwickelte sich im lokalen Rahmen als die Zusammenarbeit der Dorfbewohner wie auch der benachbarten Gemeinden im Bemühen um Flutabwehr und die Erstellung von Irrigationsanlagen.“

 

Aufgrund des obligatorischen Zusammenschließens, um der Natur Herr zu werden entstanden im Laufe der Zeit im ganzen Land regionale Klans vorwiegend bestehend aus Familien und Dorfgemeinschaften, welche sich zur Basis der damaligen chinesischen Gesellschaft entwickelten. Hanlin meint hierzu: „Der Klan ist zwar eine verwandtschaftlich und regional begründete Gemeinde, gilt aber zugleich als Grundzelle der traditionellen chinesischen Gesellschaft.“ Die damalige Gesellschaft war folgendermaßen aufgebaut: Es existierte auf der einen Seite die zentralisierte, staatliche Bürokratie und die einzelnen, im ganzen Land verteilten Klans auf der anderen Seite. Aufgrund der enormen Größe des Landes und der wachsenden Bevölkerungszahl, war das Klansystem ein gutes Mittel, den Willen des Staates durchzusetzen. Die einzelnen Klans selbst waren geschlossene Gemeinden, die sich völlig autark selbst versorgten. Der Zusammenhalt wurde in erster Linie durch die Notwendigkeit des Überlebenskampfes gegen die Natur gewährleistet. Auch Juttka-Reisse teilt diese Ansicht: „Die Dorfgemeinde entwickelte alle Merkmale eines lebendigen politischen Kommunikationszusammenhanges, dessen ökonomische Grundlage der kooperative Charakter der landwirtschaftlichen Arbeitsprozesse war.“ Hanlin kommt zu einer vergleichbaren Auffassung: „Der Klan gilt [..] nicht nur als Produktionseinheit, sondern in gleicher Weise auch als soziale Gemeinde, politisches Gefüge und Lebensgemeinschaft.“ Für Hanlin ist dies allerdings nicht das wichtigste Element eines chinesischen Klans. Er vertritt ebenfalls die Sichtweise, dass „die wichtigste und grundlegende Wertvorstellung des chinesischen Klans […] der Ahnenkult [ist].“ Es lässt sich sicherlich nicht verleugnen, dass der Ahnenkult zur damaligen Zeit sehr wichtig war und eine wichtige Rolle in den Klans gespielt hat. Das Grundelement für einen Zusammenhalt eines Klans, muss aber primär dem Überlebenskampf zugeschrieben werden. Das oberste Ziel und natürliches Bedürfnis aller Menschen, egal welcher Kultur sie auch entstammen, ist das Überleben. Der Ahnenkult hat mit Sicherheit den Zusammenhalt gefestigt, aber er war nicht das tragende Element für die Bildung eines solchen Klans.

Somit versorgten sich die Klans also in erster Linie selbst. Innerhalb eines Klans und den Familien sorgten konfuzianische Hierarchiestrukturen bzw. Rollenverteilungen dafür, dass Harmonie und Ordnung gewahrt bleiben. Es handelt sich hierbei um folgende Differenzierungen:

 

•  Vater und Sohn

•  Ehemann und Ehefrau

•  Mann und Frau

•  Älterer Bruder und jüngerer Bruder

•  Ältere und Jüngere

 

Im Allgemeinen bedeutet dieses Hierarchiesystem eine „Herrschaft der Männer über die Frauen und der Alten über die Jungen.“ , so Juttka-Reisse. Dieses Hierarchiesystem in Verbindung mit den anderen konfuzianischen Tugenden Li (Sittlichkeit), Jen (Humanität) und Xiao (Pietät) sollen für die Aufrechthaltung der Harmonie unter den Klanmitgliedern sorgen und somit das Weiterbestehen des Klans sichern. Ein weiteres Mittel, um das Überleben des Klans zu sichern ist die soziale Kontrolle, die vom Klan selbst durchgeführt wird. Der Klan verfügt „über die wichtigsten Mittel zur Bedürfnisbefriedigung der Klanmitglieder […]. Im traditionellen China werden sämtliche Bedürfnisse wie sexuelle und materielle Bedürfnisse, Sicherheitsbedürfnisse, Bedürfnisse nach Zugehörigkeit, nach Liebe, nach Achtung und nach Anerkennung sowie nach Selbstverwirklichung […] überwiegend durch den Klan befriedigt.“ Die Klanmitglieder standen somit in einer relativ starken Abhängigkeit gegenüber ihrer Gemeinschaft, was unangepasstes Verhalten in der Regel eindämmte. Sollte es dennoch geschehen so wurde dies in der Regel mit Maßnahmen, die zum Gesichtsverlust führten geahndet. Auf diese Weise wurden die Zusammengehörigkeit und das Weiterbestehen des Klans kontrolliert, da ein Gesichtsverlust wie vorher erwähnt, ziemlich das Schlimmste ist, was einem Asiaten passieren kann. Die Kontrolle der sozialen Normen wurde gemäß dem Senioritätsprinzip von dem Klanältesten, auch Patriarch genannt, durchgeführt. Dieser hatte sozusagen die „absolute Befehlsgewalt“ und die Klanmitglieder mussten sich seinem Willen fügen. Da der Patriarch nicht alles alleine durchführen konnte, waren ihm verschiedene Gruppenführer unterstellt, die verschiedenen Familiengruppen überwachten. Ihnen waren wiederum die einzelnen Familienoberhäupter (Großväter, Väter) unterstellt.

Während der Klan nun die einzelnen Mitglieder kontrollierte und zusammenhielt, kontrollierte der Staat die Klans, gemäß dem Prinzip „Staatsfamilie“ (chin.: guojia). Hu teilt diese Ansicht und expliziert dies auf folgende Weise:

 

„The concept of a country or nation was expressed by the term kuo-chia [guojia], which means, literally, „nation-family“. The emperor was regarded as the head of the nation-family, and his subjects owed him respect and obedience in the same way that members of an individual recognized the authority of the family head.“

 

Das konfuzianische Familienprinzip wurde also erst ausgeweitet auf die Klans und dann auf das ganze Land. Dies war für die Regierung die beste Möglichkeit ein Land solcher Größe zu regieren und zu kontrollieren. Diese Gesellschaftsstruktur hat sich bis zum heutigen Tage gehalten. Man findet diese Struktur heute in den „Danweis“ wieder. Was ist eine Danwei? Kahn-Ackermann beschreibt Danweis als „politische, wirtschaftliche und administrative Bausteine, aus denen sich die chinesische Gesellschaft wie ein Mosaik zusammensetzt.“

Weggel definiert eine Danwei als „diejenige „Einheit“ (so die wörtliche Übersetzung), in der jeder seine Arbeit ableistet und zum Teil auch sein Leben führt, z.B. auf dem Land die Produktionsgemeinschaft, in der Stadt das Wohnviertel, die Fabrik und ihre Umgebung, die Universitätsfakultät etc.“ Die Danwei ist sozusagen die Weiterführung bzw. wieder Inbetriebnahme der antiken Klans. Als im Jahre 1949 die Kommunisten an die Macht kamen, übernahmen sie ein völlig zerrüttetes Land. Das primäre Ziel war nun, die Wirtschaft so schnell wie möglich wieder in Gang zu bringen. Das größte Problem war hierbei: Wie regiert man eine Milliarde Menschen? Aufgrund der Isolierung Chinas durch die westlichen Industrienationen als Folge des Kalten Krieges und aufgrund der Erfahrung im Krieg aus der Vergangenheit, in dem alles in Gruppen organisiert wurde, wurden von der KP die Danweis ins Leben gerufen. Das Danwei-System war für die Regierung somit die beste Möglichkeit, ein Land mit solch geographischen und demographischen Ausmaßen zu regieren. Weggel teilt diese Ansicht und argumentiert folgendermaßen: „Angesichts der riesenhaften Dimensionen des Landes, der Unterschiedlichkeit der Regionen und der schier unvorstellbaren Zahl der Einwohner muß die Staatsgewalt von vornherein auf eine kleinmaschig ausgelegte Verwaltung verzichten und Staatsmacht de facto an nichtstaatliche Institutionen delegieren.“ Die Danwei ist somit das Kontrollorgan des Staates über die einzelnen Menschen. Wie die Klans auch, sind die Danweis autarke Gemeinschaften, die ihren Mitgliedern alle nötigen materiellen und sozialen Bedürfnisse liefern und bereitstellen und sie somit in einer gewissen Abhängigkeit halten. Weggel beschreibt die Danwei in Bezug dazu als den Ort, „wo staatliche Rahmenvorschriften zu konkreten Verhaltensanweisungen umgemünzt, wo Streitigkeiten durch Ombudsmänner geschlichtet, Sicherheitsbelange in Eigenverantwortung angepackt und Grund- und Mittelschulen errichtet werden. Hier wird ein Großteil der Daseinsvorsorge erbracht, Sozialhilfe geleistet und politische Demokratie ein- und ausgeübt.“ Ähnlich wie der Patriarch bei den Klans sorgt der Danwei-Vorstand dafür, dass die staatlichen Auferlegungen und Direktiven, die politischer, wirtschaftlicher und sozialer Art sind umgesetzt werden. Man könnt auch sagen, dass das Danwei-System, das Sozialversicherungssystem Chinas ist.

Das Prinzip „Staatsfamilie“ wird also auch im modernen China fortgeführt. Der Staat kontrolliert und versorgt die Danwei, und die Danwei kontrolliert und versorgt den Einzelnen. Der Einzelne ist loyal gegenüber der Danwei, die Danwei ist loyal gegenüber dem Staat. Das konfuzianische Familienprinzip ausgeweitet auf eine ganze Nation. An dieser Stelle sei hierzu ein treffendes Zitat Weggels erlaubt:

 

„Die Danwei ist […] ein Staat im Staate und die Volksrepublik ein aus Tausenden von „Ministaaten“ bestehender Gesamtverband.“

 

Die Danweis waren sehr stark verbreitet während der Ära Mao Zedong und auch noch in den achtziger Jahren, doch mit Einzug der Marktwirtschaft und des Kapitalismus in China Anfang der neunziger Jahre, verloren die Danweis immer mehr an Bedeutung, da viele Unternehmen privatisiert wurden. Somit sind Danweis heute vorwiegend auf dem Land zu finden, während die Anzahl in urbanen Gebieten eher klein ist. Nichtsdestotrotz kann man Parallelen zwischen Klan und Danwei erkennen. Weiterhin ist zu erkennen, dass das konfuzianische Denken auch heute noch präsent ist und die Grundstruktur der chinesischen Gesellschaft unverkennbar danach ausgerichtet ist. Das folgende Schaubild soll die Parallelen von Klan und Danwei nochmals aufzeigen:

An der Struktur der Gesellschaft lässt sich sehr gut das schon vorher erwähnte Gemeinschafts- und Familienbewusstsein der Chinesen erkennen. Weggels Behauptung, dass China zu den universalen Gesellschaften zählt kann bestätigt werden, wie auch die von ihm aufgestellte These, dass China zu den metakonfuzianischen Gesellschaften mit Danwei-Charakter zählt.

Mit diesem Kapitel ist nun die Untersuchung über die Kultur Chinas abgeschlossen. Es wurden untersucht:

 

•  das chinesische Denken

•  die Bedeutung der Religion in China

•  die Struktur der chinesischen Gesellschaft

 

Nach Analyse dieser drei Parameter lässt sich nun folgendes festhalten: Das chinesische Denken ist diesseitig, materialistisch, philosophisch und nicht-metaphysisch. Aufgrund dessen hat es sowohl die Bedeutung der Religion als auch die Struktur der Gesellschaft stark in diese Richtung beeinflusst. Was die Religion in China angeht so kann man feststellen, dass es im Grunde genommen kein religiöses Bewusstsein gibt und dass durch das diesseitige Denken, Religion in China an einer großen Ausbreitung gehindert wurde. Was die Gesellschafts-

struktur angeht, so hat der Konfuzianismus hier ganz klar seine Spuren hinterlassen.

Letztendlich hat das Denken im Hier und Jetzt die chinesische Kultur geprägt und somit andere damit in Verbindung stehende Bereiche wie Politik und Wirtschaft mit beeinflusst. Somit wurde auch dafür gesorgt, dass die chinesische Kultur eine sehr homogene ist. Natürlich gibt es auch hier regionale Unterschiede, doch im großen Ganzen ist China ein homogenes Land. Die oben beschriebenen Punkte bestätigen dies.

Der Autor Nico Winklmüller hat in in Konstanz Ostasien-Wissenschaften studiert und insgesamt mehrere Jahre in China, Indien und Singapur gelebt und gearbeitet. Er beherrscht u.a. die chinesische Sprache in Wort und Schrift. Kontakt: nickwinklmueller[at]web.de

 

Impressum:

Rainer Stahlmann
Hans-Döllgast-Straße 6
D-80807 München

T: (+49) (0)9493 9519609
F: (+49) (0)9493 9519696
E-Mail: info[at]hantrainerpro.de